Wie stellt man Wasserkefir her?

    Autor: Farkas Tibor9 Min. Lesezeit

    Wasserkefir lässt sich mit wenigen Zutaten zu Hause herstellen. In dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung erfährst du, wie du Zuckerwasser, Wasserkefirkristalle und optionale Zutaten kombinierst und worauf du bei Fermentation, Abseihen und zweiter Fermentation achten solltest.

    Kurze Antwort

    Aktive Wasserkefirkristalle werden in abgekühltes Zuckerwasser gegeben und meist etwa 24–72 Stunden bei geeigneter Raumtemperatur fermentiert. Anschließend wird der Wasserkefir abgeseiht; die Kristalle können für die nächste Charge verwendet werden.

    Wie stellt man Wasserkefir her?

    Wasserkefir lässt sich zu Hause einfach herstellen: Die Wasserkefirkristalle werden in Zuckerwasser gegeben und anschließend bei Raumtemperatur fermentiert. Die in den Kristallen lebenden Bakterien und Hefen wandeln einen Teil des Zuckers in organische Säuren, Kohlendioxid und Alkohol um.

    Das genaue Rezept ist nicht in Stein gemeißelt. Die Geschwindigkeit der Fermentation wird unter anderem durch die Menge der Kristalle, die Zuckerkonzentration, die Temperatur, das Wasser und die zugesetzten Früchte beeinflusst. Deshalb kann selbst bei demselben Rezept je nach den jeweiligen Bedingungen ein unterschiedliches Ergebnis entstehen.

    Kurz erklärt: So wird Wasserkefir hergestellt

    Eine einfache Methode für den Einstieg zu Hause:

    1. Zuckerwasser zubereiten.
    2. Auf Raumtemperatur abkühlen lassen.
    3. Aktive Wasserkefirkristalle hinzufügen.
    4. Nach Geschmack etwas Trockenobst und Zitrone hinzufügen.
    5. Etwa 24–72 Stunden fermentieren lassen.
    6. Zwischendurch probieren und den Wasserkefir abseihen, sobald der Geschmack passt.
    7. Die Kristalle für die nächste Charge in frisches Zuckerwasser geben.
    8. Den fertigen Wasserkefir sofort trinken oder durch eine zweite Fermentation weiter aromatisieren und mit Kohlensäure anreichern.

    Welche Zutaten werden benötigt?

    Für einfachen Wasserkefir werden nur wenige Zutaten benötigt:

    • Wasserkefirkristalle,
    • Trinkwasser,
    • Zucker,
    • optional Trockenobst,
    • optional Zitrone oder ein anderes Aroma.

    Wie viele Kristalle und wie viel Zucker werden benötigt?

    Es gibt kein einziges Verhältnis, das für jeden Wasserkefir gleichermaßen gilt. In praktischen Rezepten werden unterschiedliche Mengen verwendet, und auch wissenschaftliche Untersuchungen arbeiten mit unterschiedlichen Konzentrationen von Kristallen und Zucker.

    Ein einfaches Ausgangsverhältnis für zu Hause kann beispielsweise sein:

    Zutat Ausgangsmenge pro 1 Liter
    Wasserkefirkristalle ca. 30–40 g
    Zucker ca. 60–80 g
    Trockenobst ca. 20–30 g
    Zitrone optional

    Dies ist kein verbindliches Rezept, sondern ein brauchbarer Ausgangspunkt. Wenn die Menge der Kristalle zunimmt, kann die Fermentation bei gleicher Menge an Wasser und Zucker in der Regel schneller ablaufen.

    1. Bereite die Utensilien vor

    Verwende ein sauberes, für Lebensmittel geeignetes Glas oder ein anderes geeignetes Fermentationsgefäß.

    Nützliche Utensilien:

    • Glasgefäß für die Fermentation,
    • sauberes Sieb,
    • Trichter,
    • Flasche für den fertigen Wasserkefir,
    • sauberer Löffel oder ein anderes geeignetes Rührutensil.

    Reinige das Gefäß und die verwendeten Utensilien vor der Fermentation gründlich.

    Wichtig: Sauberkeit bedeutet nicht, dass alles steril sein muss. Ziel ist es, zu verhindern, dass neben der Fermentationskultur unerwünschte Verunreinigungen in das System gelangen, die das Ergebnis beeinträchtigen könnten.

    2. Bereite das Zuckerwasser zu

    Löse den Zucker im Trinkwasser auf.

    Wenn du warmes Wasser verwendest, damit sich der Zucker schneller auflöst, warte unbedingt, bis die Flüssigkeit auf Raumtemperatur abgekühlt ist, bevor du die Kristalle hinzufügst.

    Eine zu warme Flüssigkeit kann die lebenden Mikroorganismen schädigen.

    Auch die Wasserqualität spielt eine Rolle. Verwende gutes Trinkwasser. Wenn Leitungswasser stark gechlort ist, kann es sinnvoll sein, gefiltertes Wasser zu verwenden.

    3. Füge die Wasserkefirkristalle hinzu

    Sobald das Zuckerwasser nicht mehr warm ist, gib die aktiven Wasserkefirkristalle hinzu.

    Die Kristalle bilden die Ausgangskultur für die Fermentation. Die darin lebenden Bakterien und Hefen arbeiten zusammen: Durch die Umwandlung von Zucker entstehen Säuren, Kohlendioxid, Alkohol und weitere Stoffwechselprodukte.

    Die mikrobielle Zusammensetzung von Wasserkefir ist nicht bei allen Kristallen völlig gleich. Die Herkunft der Kristalle, frühere Fermentationen und die Umweltbedingungen können ebenfalls beeinflussen, welche Mikroorganismen dominieren.

    4. Füge Trockenobst hinzu – wenn du möchtest

    Traditionelle Rezepte für selbstgemachten Wasserkefir enthalten häufig Trockenobst, zum Beispiel:

    • Feigen,
    • Rosinen,
    • Datteln,
    • getrocknete Aprikosen.

    Trockenobst kann dabei nicht nur als Aroma dienen. Es kann den an der Fermentation beteiligten Mikroorganismen zusätzliche Nährstoffe zur Verfügung stellen.

    Für den Anfang empfiehlt sich einfaches Trockenobst, möglichst ohne unnötige Zusatzstoffe.

    5. Die Rolle der Zitrone

    Viele Rezepte für selbstgemachten Wasserkefir verwenden auch Zitrone oder Zitronensaft.

    Zitrone ist kein grundlegender Bestandteil von Wasserkefir, kann aber zum Geschmack und zur Säure des Getränks beitragen. Wenn du Zitrone verwenden möchtest, solltest du zunächst mit einer kleinen Menge beginnen.

    Die Säure des Wasserkefirs entsteht jedoch in erster Linie durch die Fermentation selbst: Bei der Verstoffwechselung durch die Mikroorganismen werden organische Säuren gebildet.

    6. Lass den Wasserkefir fermentieren

    Stelle das Fermentationsgefäß an einen ruhigen Ort, der vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt ist.

    Bei der Herstellung zu Hause werden häufig Temperaturen von etwa 20–25 °C verwendet.

    Die Fermentationsdauer beträgt in der Regel:

    ca. 24–72 Stunden.

    Die genaue Dauer sollte jedoch nicht als starre Regel betrachtet werden.

    Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Temperatur und Fermentationsdauer die mikrobielle Gemeinschaft und die Bildung von Stoffwechselprodukten erheblich beeinflussen. Eine systematische Review und Meta-Analyse aus dem Jahr 2025, die Daten aus 96 Studien ausgewertet hat, zeigte, dass für die mikrobielle Aktivität insbesondere ein Bereich um 25 °C und eine Fermentationsdauer von 48–72 Stunden günstig waren.

    Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Wasserkefir zu Hause genau 48–72 Stunden fermentieren muss.

    Eine kleinere oder aktivere Menge an Kristallen, eine wärmere Umgebung und die Zusammensetzung der Nährstoffe können den Prozess beschleunigen.

    Woran erkennst du, dass der Wasserkefir fertig ist?

    Die beste Methode ist regelmäßiges Probieren.

    Mit fortschreitender Fermentation:

    • nimmt die Süße ab,
    • nimmt die Säure zu,
    • entstehen typische Fermentationsaromen,
    • und es kann Kohlendioxid gebildet werden.

    Wenn das Getränk noch sehr süß ist, kannst du es länger fermentieren lassen.

    Wenn es bereits angenehm säuerlich, erfrischend und für dich geschmacklich passend ist, kann die erste Fermentation beendet werden.

    7. Den fertigen Wasserkefir abseihen

    Wenn das Getränk den gewünschten Geschmack erreicht hat:

    1. den Wasserkefir abseihen,
    2. das Trockenobst entfernen,
    3. die Kristalle beiseitelegen,
    4. die Kristalle für die nächste Charge verwenden.

    Die Wasserkefirkristalle müssen nicht nach jeder Fermentation gewaschen werden. Untersuchungen zeigen, dass regelmäßiges Spülen selbst einen Einfluss auf die mikrobielle Gemeinschaft auf den Kristallen und in der Fermentationsflüssigkeit haben kann.

    Wenn ein Spülen dennoch erforderlich ist, verwende sauberes Wasser geeigneter Qualität und vermeide unnötig häufiges Waschen.

    8. Den fertigen Wasserkefir trinken

    Der abgeseihte Wasserkefir kann bereits getrunken werden.

    Gekühlt schmeckt er in der Regel frischer und angenehmer.

    Wenn du mehr Kohlensäure oder einen intensiveren Geschmack möchtest, kann eine zweite Fermentation folgen.

    Was passiert bei der zweiten Fermentation?

    Nachdem die Kristalle entfernt wurden, wird der fertige Wasserkefir in eine verschließbare Flasche gefüllt.

    Du kannst ihn beispielsweise aromatisieren mit:

    • Früchten,
    • Fruchtsaft,
    • Ingwer,
    • Kräutern.

    Aus dem in der Flasche verbleibenden fermentierbaren Zucker kann zusätzlich Kohlendioxid entstehen, wodurch das Getränk zunehmend stärker mit Kohlensäure angereichert werden kann.

    ⚠️ Wichtiger Sicherheitshinweis

    Während der zweiten Fermentation kann sich in der verschlossenen Flasche erheblicher Druck aufbauen. Verwende ausschließlich eine dafür geeignete, druckfeste Flasche und lasse sie nicht über längere Zeit unbeaufsichtigt bei Raumtemperatur stehen.

    Kontrolliere die Flasche regelmäßig und verhindere einen übermäßigen Druckaufbau.

    Wie viel Alkohol kann Wasserkefir enthalten?

    Wasserkefir ist ein fermentiertes Getränk, daher kann auf natürliche Weise eine geringe Menge Alkohol entstehen.

    Die Alkoholmenge ist nicht konstant. Sie hängt unter anderem ab von:

    • der Zuckermenge,
    • der Dauer der Fermentation,
    • der Temperatur,
    • der mikrobiellen Zusammensetzung,
    • der Sauerstoffversorgung,
    • und der zweiten Fermentation.

    Deshalb sollte Wasserkefir nicht automatisch als alkoholfreies Getränk betrachtet werden.

    Eine längere oder intensivere Fermentation sowie eine zweite Fermentation in einer verschlossenen Flasche können die Zusammensetzung des Getränks weiter verändern.

    Warum fällt das Ergebnis von einer Charge zur nächsten unterschiedlich aus?

    Wasserkefir wird nicht von einem einzigen Mikroorganismus nach einem festen „Rezept“ hergestellt, sondern durch eine komplexe mikrobielle Gemeinschaft.

    Deshalb können alle folgenden Faktoren das Ergebnis beeinflussen:

    Faktor Mögliche Auswirkung
    Menge der Kristalle Beeinflusst die Geschwindigkeit der Fermentation
    Temperatur In wärmerer Umgebung läuft der Stoffwechsel in der Regel schneller ab
    Fermentationsdauer Beeinflusst Süße, Säure und Stoffwechselprodukte
    Menge und Art des Zuckers Beeinflusst die Nährstoffversorgung der Mikroorganismen
    Trockenobst Kann zusätzliche Nährstoffe und Aromastoffe liefern
    Herkunft der Kristalle Kann zu einer unterschiedlichen mikrobiellen Gemeinschaft führen
    Frühere Fermentationen Können den aktuellen Zustand der Kultur beeinflussen
    Spülen Kann die Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaft verändern
    Sauerstoffversorgung Beeinflusst unter anderem die Aktivität von Essigsäurebakterien

    Häufige Fehler bei der Herstellung von Wasserkefir

    Die Kristalle werden in zu heißes Zuckerwasser gegeben

    Gib die Kristalle nur in eine Flüssigkeit mit Raumtemperatur.

    Die Fermentation dauert zu lange

    Wenn der Wasserkefir bereits sehr sauer, essigartig oder unangenehm schmeckt, wurde er unter den jeweiligen Bedingungen wahrscheinlich zu lange fermentiert.

    Es wird zu wenig Zucker verwendet

    Für die Mikroorganismen des Wasserkefirs ist Zucker eine wichtige Energiequelle. Die Zuckermenge sollte nicht willkürlich auf ein Minimum reduziert werden.

    Zu viele Kristalle werden in dieselbe Menge Flüssigkeit gegeben

    Wenn sich die Kristalle vermehren, kann das bisherige Rezept zu einer zu schnellen Fermentation führen. In diesem Fall sollte das Verhältnis von Kristallmenge und Flüssigkeitsmenge entsprechend angepasst werden.

    Das Fermentationsgefäß wird luftdicht verschlossen

    Das während der ersten Fermentation entstehende Kohlendioxid muss entweichen können.

    In einem vollständig luftdicht verschlossenen Gefäß kann sich Druck aufbauen.

    Auch die zweite Fermentation wird nicht kontrolliert

    In einer verschlossenen Flasche kann sich Kohlendioxid schnell ansammeln. Die zweite Fermentation erfordert daher mehr Aufmerksamkeit als die erste.

    🔬 Was sagt die Wissenschaft dazu?

    Die Fermentation von Wasserkefir ist nicht einfach die Herstellung von „Zuckerwasser“, sondern ein komplexer mikrobiologischer Prozess.

    In den Kristallen und im fermentierten Getränk können unterschiedliche Kombinationen von Milchsäurebakterien, Essigsäurebakterien und Hefen vorkommen. Diese Mikroorganismen wirken miteinander und wandeln die verfügbaren Nährstoffe um.

    Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Bedingungen der Fermentation erheblichen Einfluss darauf haben, welche mikrobielle Gemeinschaft entsteht, welche Säuren und anderen Metaboliten gebildet werden und welche Eigenschaften das fertige Getränk aufweist.

    Deshalb gibt es kein einziges „perfektes Rezept“, das für jede Wasserkefirkultur gleichermaßen gilt.

    Eine gute Methode für zu Hause ist vielmehr ein stabiles Ausgangsrezept, das du anhand des Verhaltens deiner eigenen Kristalle schrittweise an die Fermentationsdauer und die verwendeten Zutaten anpasst.

    Zusammenfassung

    Das Wesentliche bei der Herstellung von Wasserkefir:

    Zuckerwasser + aktive Wasserkefirkristalle + geeignete Temperatur + Zeit = fermentierter Wasserkefir.

    Als Ausgangspunkt kannst du etwa 30–40 g Kristalle und 60–80 g Zucker pro Liter verwenden, ergänzt durch etwas Trockenobst. Die Fermentation dauert in der Regel 24–72 Stunden, wobei die passende Dauer immer anhand der eigenen Kultur und des Geschmacks bestimmt werden sollte.

    Wenn das Getränk den gewünschten Geschmack erreicht hat, seihst du es ab und verwendest die Kristalle für die nächste Charge.

    So kann dieselbe Kultur immer wieder verwendet werden, und mit jeder weiteren Charge lernst du besser kennen, wie sich deine eigene Wasserkefirkultur verhält.

    Quellen

    1. An update on water kefir: Microbiology, composition and production — Laureys, D.; De Vuyst, L. (2021) · DOI: 10.1016/j.ijfoodmicro.2021.109128 · https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33751986/
      Review zur Mikrobiologie, Zusammensetzung und Herstellung von Wasserkefir; behandelt auch die Bezeichnungen tibicos und water kefir.
    2. Water kefir: Factors affecting grain growth and health-promoting properties of the fermented beverage — Pendón, M. D.; et al. (2022) · DOI: 10.1111/jam.15385 · https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34822204/
      Review zu Wachstum der Wasserkefirkristalle, mikrobieller und chemischer Zusammensetzung sowie zum Einfluss der Fermentationsbedingungen.
    3. The microbial composition of water kefir and the effects of fermentation conditions: A systematic review and meta-analysis — Cufaoglu, G.; Eser, E.; Erdinc, A. N. (2025) · DOI: 10.1016/j.fbio.2025.107778 · https://doi.org/10.1016/j.fbio.2025.107778
      Systematischer Review und Meta-Analyse von 96 Studien; untersucht unter anderem Fermentationstemperatur und -dauer. Die Studie berichtet erhöhte mikrobielle Aktivität besonders um 25 °C und 48–72 Stunden.